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Netzwerk Reparatur-Initiativen

Liebe Reparatur-Initiativen, -Aktive und -Interessierte,

trotz (oder vielleicht gerade wegen?) all der herausfordernden VerĂ€nderungen, die 2020 mit sich brachte, bekommt das Thema Reparieren zum Jahresende ordentlich RĂŒckenwind: Wir freuen uns ĂŒber den Nachhaltigkeitspreis Design fĂŒr das Netzwerk Reparatur-Initiativen, den wir am 3. Dezember stellvertretend fĂŒr euch Initiativen entgegen genommen haben!Eine Woche zuvor verabschiedete das EU-Parlament einen Bericht, der u.a. bessere Reparierbarkeit von Produkten umfasst – wodurch eine weitere HĂŒrde auf dem Weg zum Recht auf Reparatur genommen wurde. Und in Funk und Fernsehen sind wir in letzter Zeit ebenfalls auf mehrere schöne BeitrĂ€ge gestoßen – hier eine kleine Sammlung zum Anschauen/-hören ĂŒber die Feiertage:

Netzwerkaktion: Online-Reparaturcafé im Februar

Da uns KontaktbeschrĂ€nkungen noch eine Weile begleiten werden, möchten wir mit allen, die Lust haben, ein Experiment wagen: Lasst uns in der ersten Februarwoche in gemeinschaftlicher Aktion ein bundesweites Online-ReparaturcafĂ© veranstalten. Im Internet finden sich dabei Reparaturhelfer*innen aus verschiedenen Reparatur-Initiativen zusammen, treten miteinander in Austausch und helfen Menschen mit Reparaturbedarf mit Tipps zu Wartung, Pflege und – im Rahmen der Möglichkeiten – auch mit der Anleitung zur Reparatur. Wir kĂŒmmern uns um eine digitale Infrastruktur, ihr klinkt euch als Reparierende mit ein und rĂŒhrt lokal die Werbetrommel fĂŒr das gemeinsame Angebot.

Wer mitmachen möchte, wendet sich per Mail mit Angabe seiner Reparaturbereiche an linn.quante@anstiftung.de.
> Weitere Informationen dazu hier.

Grundlagenwebinar mit Rudi Lehmkuhl: NĂ€hmaschinen reparieren

Wir starten ins neue Jahr mit dem Thema NĂ€hmaschinenreparatur: Am Dienstag, 12. Januar, teilt Rudi Lehmkuhl (ehemaliger Elektromechaniker und Funktechniker) sein Wissen rund um NĂ€hmaschinen mit euch. Von seinem Vater, seines Zeichens Maschinenschlosser und NĂ€hmaschinenmechaniker, lernte Rudi alle Tricks und Kniffe rund um NĂ€hmaschinen, die er heute in seinem „Reparaturservice fĂŒr einen guten Zweck“ anwendet. Im Webinar zeigt er das korrekte Instandsetzen von NĂ€hmaschinen und erlĂ€utert die Lösung fĂŒr die hĂ€ufigsten Fehler.

> Bitte beachten: Die PlĂ€tze sind begrenzt – bitte nur verbindlich anmelden, wenn ihr auch sicher teilnehmt. Ansonsten verfĂ€llt der Platz, weil eine Anmeldung ohne Teilnahme diesen blockiert – das wĂ€re schade!
> Hier anmelden: 12. Januar 2021, 19-21 Uhr – Webinar: Grundlagen NĂ€hmaschinenreparatur
> Das Webinar wird aufgezeichnet und anschließend auf unserem YouTube-Kanalveröffentlicht.

Vernetzung 3D-Druck & -Reparatur

Seit 2019 lĂ€uft beim Verbund Offener WerkstĂ€tten das Projekt „Reparieren verbindet“, das Aktive aus Offenen WerkstĂ€tten und Reparatur-Initiativen in Austausch bringen möchte. Erste lokale Vernetzungsangebote fanden bereits statt. Nun entsteht in einem nĂ€chsten Schritt unter www.3d-reparieren.de eine Plattform, ĂŒber die 3D-Reparaturanfragen eingereicht und mit Personen mit den nötigen Konstruktions- und Druckkenntnissen zusammengebracht werden. Damit die Community und der Austausch wĂ€chst, könnt ihr mitmachen:

Wer sich mit Know-how rund um CAD-Konstruieren und 3D-Drucken einbringen möchte, schickt eine E-Mail an 3d-reparatur@offene-werkstaetten.org
> Auf der Netzwerkplattform könnt ihr in eurem Profil unter „Kenntnisse/Interessen“ die Kategorie „3D-Reparatur – frag mich!“ auswĂ€hlen und eure Expertise damit sichtbar machen.
> Ein Kurzinterview zum Thema mit Anika von 3d-reparieren.de findet ihr hier online – ihr könnt den Text gerne fĂŒr eure eigene Website oder Öffentlichkeitsarbeit nutzen, um das Thema bekannter zu machen.

Termine
  • 15. Dezember 2020, 19-21 Uhr: Netzwerkabend online (ThemenvorschlĂ€ge & Zugangslink)
  • 12. Januar 2021, 19-21 Uhr: Grundlagen Reparaturwissen NĂ€hmaschinen (Anmeldung hier)
  • 19. Januar 20201, 19-20.30 Uhr: Drei Bereiche gelingender Moderation: Ein anstiftungs-Webinar fĂŒr Offene WerkstĂ€tten, GemeinschaftsgĂ€rten und Reparatur-Initiativen (weitere Infos & Anmeldung hier)
  • Bitte haltet eure eigenen Veranstaltungstermine auf www.reparatur-initiativen.deaktuell und löscht ggf. ausfallende Reparaturtermine!

Mit diesem Newsletter verabschieden wir uns fĂŒr dieses Jahr und schicken euch vorweihnachtliche GrĂŒĂŸe – und anbei eine etwas andere Geschenkgutscheinidee aus dem Projekt „Reparieren verbindet“ (getreu dem Motto „Zeit statt Zeug“).

Schöne Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr wĂŒnschen
Tom Hansing, Ina Hemmelmann und Linn Quante

Tel.: 089 / 74 74 60-18
E-Mail: reparieren@anstiftung.de

 

By Barthel Pester


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ReparaturRat stellt Antrag auf finanzielle Förderung

Die Coronakrise hat die Empfindlichkeit des Lebens auch die der Wirtschaft global deutlich gemacht. Auch in Oldenburg sind zunehmende LeerstĂ€nde in der Innenstadt sichtbarer und auch Leerstand in den sechs grĂ¶ĂŸeren Straßen, die nach Oldenburg hinein- und auch wieder hinausfĂŒhren, wir noch auffĂ€lliger. Gerungen wird jetzt um den Wiederaufbau. Geschieht der so, dass die alten, krisenanfĂ€lligen Strukturen erneut gestĂŒtzt werden, wird es nichts mit einer Wende bei Emissionen, Arten- und Ressourcenschutz. Jetzt böte sich also die Gelegenheit, einen echten Wandel in die Wege zu leiten. Und das in vielen Bereichen, fĂŒr soziale und ökonomische Innovationen.

Deshalb hat der sich in GrĂŒndung befindende ReparaturRat Oldenburg bei der Stadtverwaltung und den im Rat vertretenen politischen Parteien einen Antrag auf finanzielle Förderung gestellt, ĂŒber den die Nordwest-Zeitung heute berichtet:

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By Barthel Pester


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ReparaturRat gegrĂŒndet

Der Wandel ist spĂŒrbar, ĂŒberall, auch in Oldenburg. Wandel und Transformation finden statt, ob gewollt oder nicht. Nicht erst Corona hat das Leben und seine Bedingungen verĂ€ndert. Die Versprechungen von Wohlstand und Sicherheit einer weltweit dominierenden Wirtschaftsordnung lassen sich unter diesen UmstĂ€nden nicht mehr fĂŒr alle erfĂŒllen – die lange erzĂ€hlten Grenzen des Wachs-tums sind jetzt fĂŒr alle sichtbar geworden. Der Klimawandel formt die Welt und ihr Handeln: Aufhalten lĂ€sst er sich nicht mehr, aber begrenzen ließe er sich schon. Folgen, die weit schwerer sind, als die, die wir jetzt sehen und erleben, ließen sich vermeiden.

Durch die eigene Erfahrung mit dem kontinuierlich seit 2013 ausgebauten Angebot an Repair CafĂ©s ertĂŒchtigt, und auch durch die zweijĂ€hrige UnterstĂŒtzung durch das Bundesumweltministerium, sind Engagierte um Dr. Katharina Dutz (Uni Oldenburg) und Prof. Dr. Niko Paech (Uni Siegen) in GrĂŒndung des sogenannten ReparaturRates Oldenburg (RRO). Ziel des RRO ist der Aufbau eines Ressourcenzentrums, indem kaputte GegenstĂ€nde des tĂ€glichen Bedarfs repariert werden und der Aufbau eines außerschulischen Lernortes, in dem handwerkliche Fertigkeiten zur Reparatur eines Gegenstandes an Menschen jeden Alters vermittelt werden.

Zweck des Vereins ist die Förderung des Umweltschutzes (
) und des bĂŒrgerschaftlichen Engagements. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch vom Verein initiierte und unterstĂŒtzte AktivitĂ€ten, die im weitesten Sinne zur ressourcenschonenden NutzungsdauerverlĂ€ngerung materieller GĂŒter und Objekte beitragen und fĂŒr eine resiliente Versorgung in der Kommune geeignet sind. Zu den Handlungsfeldern des ReparaturRates zĂ€hlen:

  • StĂ€rkung und Verbreitung von Repair CafĂ©s,
  • Entwicklung und Koordination eines Reparaturnetzes,
  • Schaffung geeigneter Lernorte, um Reparaturkompetenzen und nachhaltige Lebensstile zu fördern,
  • Einbindung kĂŒnstlerischer und kultureller AktivitĂ€ten, die der Kommunikation und Verbreitung nachhaltiger Praktiken dienen,
  • Öffentlichkeitsarbeit, um ein Bewusstsein fĂŒr NutzungsdauerverlĂ€ngerung und Obsoleszenzvermeidung als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe zu verankern und
  • Aufbau und Betrieb eines Ressourcenzentrums

Der Verein in GrĂŒdnung hat bei der Stadt Oldenburg und den im Rat vertretenen politischen Parteien einen Antrag auf finanzielle Förderung gestellt:

Antrag: Der ReparaturRat Oldenburg e.V. beantragt, den Aufbau eines Ressourcenzentrums wĂ€hrend einer vorĂŒbergehenden, zeitlich begrenzten Anschubphase finanziell mit 61.355,00 Euro zu unterstĂŒtzen. Dieser Antrag bezieht sich auf das Haushaltsjahr 2021. Es wird angestrebt, dass das Ressourcenzentrum (RZO) sich nach drei Jahren selbst finanzieren wird. Der ReparaturRat,  ein gemeinnĂŒtziger Verein, ging aus der seit 2013 in Oldenburg aktiven Reparaturbewegung hervor.

BegrĂŒndung: Das geplante RZO soll die wirtschaftliche AttraktivitĂ€t und AufenthaltsqualitĂ€t der Innenstadt stĂ€rken, insbesondere zur Abfallvermeidung und zum Klimaschutz beitragen. Damit können zugleich eine Verödung des Stadtkerns abgewendet und der Einzelhandel, inhabergefĂŒhrte Firmen und Handwerksbetriebe unterstĂŒtzt werden. Weiterhin sollen UnternehmensgrĂŒndungen und lokale Wirtschaftsformen befördert werden. Dazu zĂ€hlen auch Betriebe, die in Manufakturen und WerkstĂ€tten kleine und individualisierte StĂŒckzahlen produzieren. Derartige AktivitĂ€ten in einer nicht genutzten Immobilie in der Innenstadt zu bĂŒndeln, wĂŒrde diese attraktiver machen und zudem die Schaffung neuartiger Lernorte ermöglichen. Schulklassen sowie Erwachsene könnten hier aktiv an nachhaltigen und krisenfesten Versorgungsleistungen teilhaben und ĂŒber aktive Beteiligung den Wert der Reparatur praktisch erleben. Eine authentische Weitergabe handwerklicher Kompetenzen kann einen wesentlichen Beitrag fĂŒr die berufliche Orientierung an Schulen leisten und so dem Handwerkermangel entgegenwirken. BĂŒrger*innen können einen Ressourcen-Coupon (beispielsweise im Wert von 100 Euro) erwerben, den sie gegen beliebige Services oder die Teilnahme an Reparatur-Kursen und -Workshops einlösen können. Die Coupons sind ĂŒbertragbar und eigenen sich auch als Geschenk. EinzelhĂ€ndler sollen als Kooperationspartner gewonnen werden, um ihren Kunden Reparaturleistungen fĂŒr langlebige Produkte anbieten zu können, die von den im Zentrum angesiedelten Handwerkern und Reparateuren ausgefĂŒhrt werden. So erweitern sie ihr Angebot um eine attraktive Zusatzleistung, die ĂŒber eine angemessene Kostenumlage finanziert werden kann. Ein kleiner gastronomischer Bereich soll auch Personen ohne konkrete Reparaturnachfrage zum Verweilen, Mitmachen oder Lernen einladen. Das Ressourcenzentrum soll fĂŒr kĂŒnstlerische und kulturelle Angebote genutzt werden können, um den Raum effizient und attraktiv zu gestalten und zur Belebung der Innenstadt beizutragen.

Auswirkungen: Die Innenstadtökonomie kann durch eine „bodenstĂ€ndige“, insbesondere handwerkliche und arbeitsintensive Wertschöpfung am ehesten vor der Konkurrenz durch Internethandel, Filialisten und große Kaufhausketten geschĂŒtzt werden. Die Belebung der Reparaturnachfrage lĂ€sst neue Firmen, Innovationsprozesse und ArbeitsplĂ€tze entstehen. Eine verdoppelte Nutzungsdauer von GebrauchsgĂŒtern halbiert die CO2-Emissionen entlang der Herstellungs- und Transportkette, vermeidet immense Abfallmengen, schont Ressourcen und entlastet Haushalte finanziell. Die kommunale Versorgung wird eigenstĂ€ndiger und krisenrobuster, weil sie weniger von globaler Zulieferung abhĂ€ngt. Das Reparaturwissen sowie andere Kompetenzen fĂŒr einen nachhaltigen Lebensstil steigen. Der Einzelhandel profitiert von einer stĂ€rkeren Kundenbindung, weil er Konkurrenzvorteile gegenĂŒber dem Internethandel aufbauen kann. Oldenburg erhielte als „Stadt der Reparatur“ ein zukunftsbestĂ€ndiges Alleinstellungsmerkmal.

Der Antrag zur Anschubfinanzierung wird flankiert von intensiven BemĂŒhungen um Sponsoren und Spenden sowie durch weitere AntrĂ€ge zur finanziellen UnterstĂŒtzung bei Stiftungen und anderen Institutionen. Hier kann bereits ein Betrag von 20.000 Euro der anstiftung nachgewiesen werden.

Des weiteren werden Konzepte fĂŒr eine kostengĂŒnstige Ausstattung entwickelt, die dem Charakter des Zentrums als Ort der Aufwertung sowie Wieder- und Weiterverwendung gebrauchter GegenstĂ€nde entsprechen.

By Barthel Pester