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ReparaturRat gegr√ľndet

Der Wandel ist sp√ľrbar, √ľberall, auch in Oldenburg. Wandel und Transformation finden statt, ob gewollt oder nicht. Nicht erst Corona hat das Leben und seine Bedingungen ver√§ndert.¬†Die Versprechungen von Wohlstand und Sicherheit einer weltweit dominierenden Wirtschaftsordnung lassen sich unter diesen Umst√§nden nicht mehr f√ľr alle erf√ľllen ‚Äď die lange erz√§hlten Grenzen des Wachs-tums sind jetzt f√ľr alle sichtbar geworden. Der Klimawandel formt die Welt und ihr Handeln: Aufhalten l√§sst er sich nicht mehr, aber begrenzen lie√üe er sich schon. Folgen, die weit schwerer sind, als die, die wir jetzt sehen und erleben, lie√üen sich vermeiden.

Durch die eigene Erfahrung mit dem kontinuierlich seit 2013 ausgebauten Angebot an Repair Caf√©s ert√ľchtigt, und auch durch die zweij√§hrige Unterst√ľtzung durch das Bundesumweltministerium, sind Engagierte um Dr. Katharina Dutz (Uni Oldenburg) und Prof. Dr. Niko Paech (Uni Siegen) in Gr√ľndung des sogenannten ReparaturRates Oldenburg (RRO). Ziel des RRO ist der Aufbau eines Ressourcenzentrums, indem kaputte Gegenst√§nde des t√§glichen Bedarfs repariert werden und der Aufbau eines au√üerschulischen Lernortes, in dem handwerkliche Fertigkeiten zur Reparatur eines Gegenstandes an Menschen jeden Alters vermittelt werden.

Zweck des Vereins ist die F√∂rderung des Umweltschutzes (‚Ķ) und des b√ľrgerschaftlichen Engagements. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch vom Verein initiierte und unterst√ľtzte Aktivit√§ten, die im weitesten Sinne zur ressourcenschonenden Nutzungsdauerverl√§ngerung materieller G√ľter und Objekte beitragen und f√ľr eine resiliente Versorgung in der Kommune geeignet sind. Zu den Handlungsfeldern des ReparaturRates z√§hlen:

  • St√§rkung und Verbreitung von Repair Caf√©s,
  • Entwicklung und Koordination eines Reparaturnetzes,
  • Schaffung geeigneter Lernorte, um Reparaturkompetenzen und nachhaltige Lebensstile zu f√∂rdern,
  • Einbindung k√ľnstlerischer und kultureller Aktivit√§ten, die der Kommunikation und Verbreitung nachhaltiger Praktiken dienen,
  • √Ėffentlichkeitsarbeit, um ein Bewusstsein f√ľr Nutzungsdauerverl√§ngerung und Obsoleszenzvermeidung als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe zu verankern und
  • Aufbau und Betrieb eines Ressourcenzentrums

Der Verein in Gr√ľdnung hat bei der Stadt Oldenburg und den im Rat vertretenen politischen Parteien einen Antrag auf finanzielle F√∂rderung gestellt:

Antrag: Der ReparaturRat Oldenburg e.V. beantragt, den Aufbau eines Ressourcenzentrums w√§hrend einer vor√ľbergehenden, zeitlich begrenzten Anschubphase finanziell mit 61.355,00 Euro zu unterst√ľtzen. Dieser Antrag bezieht sich auf das Haushaltsjahr 2021. Es wird angestrebt, dass das Ressourcenzentrum (RZO) sich nach drei Jahren selbst finanzieren wird. Der ReparaturRat, ¬†ein gemeinn√ľtziger Verein, ging aus der seit 2013 in Oldenburg aktiven Reparaturbewegung hervor.

Begr√ľndung: Das geplante RZO soll die wirtschaftliche Attraktivit√§t und Aufenthaltsqualit√§t der Innenstadt st√§rken, insbesondere zur Abfallvermeidung und zum Klimaschutz beitragen. Damit k√∂nnen zugleich eine Ver√∂dung des Stadtkerns abgewendet und der Einzelhandel, inhabergef√ľhrte Firmen und Handwerksbetriebe unterst√ľtzt werden. Weiterhin sollen Unternehmensgr√ľndungen und lokale Wirtschaftsformen bef√∂rdert werden. Dazu z√§hlen auch Betriebe, die in Manufakturen und Werkst√§tten kleine und individualisierte St√ľckzahlen produzieren. Derartige Aktivit√§ten in einer nicht genutzten Immobilie in der Innenstadt zu b√ľndeln, w√ľrde diese attraktiver machen und zudem die Schaffung neuartiger Lernorte erm√∂glichen. Schulklassen sowie Erwachsene k√∂nnten hier aktiv an nachhaltigen und krisenfesten Versorgungsleistungen teilhaben und √ľber aktive Beteiligung den Wert der Reparatur praktisch erleben. Eine authentische Weitergabe handwerklicher Kompetenzen kann einen wesentlichen Beitrag f√ľr die berufliche Orientierung an Schulen leisten und so dem Handwerkermangel entgegenwirken. B√ľrger*innen k√∂nnen einen Ressourcen-Coupon (beispielsweise im Wert von 100 Euro) erwerben, den sie gegen beliebige Services oder die Teilnahme an Reparatur-Kursen und -Workshops einl√∂sen k√∂nnen. Die Coupons sind √ľbertragbar und eigenen sich auch als Geschenk. Einzelh√§ndler sollen als Kooperationspartner gewonnen werden, um ihren Kunden Reparaturleistungen f√ľr langlebige Produkte anbieten zu k√∂nnen, die von den im Zentrum angesiedelten Handwerkern und Reparateuren ausgef√ľhrt werden. So erweitern sie ihr Angebot um eine attraktive Zusatzleistung, die √ľber eine angemessene Kostenumlage finanziert werden kann. Ein kleiner gastronomischer Bereich soll auch Personen ohne konkrete Reparaturnachfrage zum Verweilen, Mitmachen oder Lernen einladen. Das Ressourcenzentrum soll f√ľr k√ľnstlerische und kulturelle Angebote genutzt werden k√∂nnen, um den Raum effizient und attraktiv zu gestalten und zur Belebung der Innenstadt beizutragen.

Auswirkungen: Die Innenstadt√∂konomie kann durch eine ‚Äěbodenst√§ndige‚Äú, insbesondere handwerkliche und arbeitsintensive Wertsch√∂pfung am ehesten vor der Konkurrenz durch Internethandel, Filialisten und gro√üe Kaufhausketten gesch√ľtzt werden. Die Belebung der Reparaturnachfrage l√§sst neue Firmen, Innovationsprozesse und Arbeitspl√§tze entstehen. Eine verdoppelte Nutzungsdauer von Gebrauchsg√ľtern halbiert die CO2-Emissionen entlang der Herstellungs- und Transportkette, vermeidet immense Abfallmengen, schont Ressourcen und entlastet Haushalte finanziell. Die kommunale Versorgung wird eigenst√§ndiger und krisenrobuster, weil sie weniger von globaler Zulieferung abh√§ngt. Das Reparaturwissen sowie andere Kompetenzen f√ľr einen nachhaltigen Lebensstil steigen. Der Einzelhandel profitiert von einer st√§rkeren Kundenbindung, weil er Konkurrenzvorteile gegen√ľber dem Internethandel aufbauen kann. Oldenburg erhielte als ‚ÄěStadt der Reparatur‚Äú ein zukunftsbest√§ndiges Alleinstellungsmerkmal.

Der Antrag zur Anschubfinanzierung wird flankiert von intensiven Bem√ľhungen um Sponsoren und Spenden sowie durch weitere Antr√§ge zur finanziellen Unterst√ľtzung bei Stiftungen und anderen Institutionen. Hier kann bereits ein Betrag von 20.000 Euro der anstiftung nachgewiesen werden.

Des weiteren werden Konzepte f√ľr eine kosteng√ľnstige Ausstattung entwickelt, die dem Charakter des Zentrums als Ort der Aufwertung sowie Wieder- und Weiterverwendung gebrauchter Gegenst√§nde entsprechen.

By Barthel Pester